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Chronik der Schwäbischen Conservenfabrik Gundelsheim

1920 - Gründung der "Gurkeneinlegerei" durch die Unternehmer Hofmann und Ziegler

1925 - Kuraufenthalt des Industriellenehepaares Theresia und Wilhelm Kühne aus Berlin im Sanatorium Schloss Horneck bei Geheimrat Dr. med. Ludwig Roemheld (weitere Aufenthalte1926 und 1928)

1930 - Die aus Mainz stammende Frau Kühne findet Gefallen an der Burgen- und Weinlandlandschaft am Neckar, sie beschließt, in Gundelsheim zu bleiben. Baubeginn einer Villa mit Garage für den Maybach in der Herbststrasse. Hauspersonal und Chauffeure werden eingestellt: Die Herrn Otto Ziegler und Heinz Welz sowie die Hausdame Emmi Holder aus Bachenau. - Im gleichen Jahr übernimmt der "Essig-Baron" Kühne aus in Berlin die Gundelsheimer Gurkeneinlegerei. Der Firmengründer Paul Hofmann wird zum ersten Direktor ernannt.

1933 - Baubeginn einer großen Fabrik in gleicher Stahlbeton Bauweise mit Backsteinverkleidung, wie alle Kühne Betriebe.

1934 - Im rechten Winkel zur Fabrik entsteht eine Neckarbrücke. Das ursprünglich, wie in Neckarzimmern, als einfache „Stegbrücke“ geplante Bauwerk wird durch eine Fahrbahn verbreitet. Die dadurch entstandenen Mehrkosten werden zu 50% von dem Bürgermeister von Gundelsheim und der Firma Kühne und zu je 25% von den Bürgermeistern aus Neckarmühlbach und Heinsheim getragen. (Auskünfte von Ludwig Maysack, dem damaligen Bürgermeister und Müller aus Neckarmühlbach. Die Brücke sollte den Bauernfahrzeugen die Möglichkeit geben, seine Mühle zu besuchen, andererseits erhoffte sich auch Firmenbesitzer Kühne dadurch, die Gemüseanbauer des Kraichgaus als Lieferanten für seinen Betrieb zu gewinnen.)

1935 - Die Brückeneinweihung wird als Politikum gefeiert, die Kontakte Kühnes zur Führung der NSDAP in Berlin vermitteln den Besuch des Reichsministers Rudolf Heß in Gundelsheim. ­- Erstes Werbeplakat aus der Hand eines Designers aus Berlin.

1936 - In der ehemaligen, seit 1917 leer stehenden Acetylen-Gasfabrik von Gundelsheim wird eine "natürliche" Essigbrauerei eingerichtet.

1938 - Es entsteht eine sehr große Küferei mit über 25 Küfermeistern und Fass- bauern. Die Fässer dienen zur Milchsäuregärung von Kraut und Gurken, was dazu führt, dass oft ein gewisser saurer Geruchsnebel über der Stadt liegt.

1939 - Der Gundelsheimer Schlossermeister Josef Neubeck erfindet für Kühne einen Durchlauf–Kochapparat, den sog. "Neubeck-Sterilisator", dessen Prototyp er in seiner Werkstatt in der Schlossstrasse anfertigt. Die Erfindung gilt als wichtige Neuerung in der Lebensmittelproduktion. Sie ermöglicht das Kochen und das Abschrecken der Konserven auf die Minute genau und dadurch bissfeste Sauergurken, ohne Farbverluste. - Die in Gundelsheim lebende Kühne Tochter Hildegard wird Karnevals- Prinzessin in Mainz.

1940 - Im Kriegsverlauf werden die Gärfässerlager gezielt angegriffen als Teile einer vermeintlichen Chemiefabrik.

1941 - Zuteilung vieler Zwangsarbeiter aus dem Osten und Armenien, wegen Arbeitskräftemangel. Die Arbeiterinnen werden kaserniert untergebracht in der Weinhandlung Dilo, im Schlachthaus Götzenberger, im alten Kindergarten und im Gasthaus Engel.

1946 - Erste Produkte mit Weinbergschnecken. Die damit verbundenen, unangenehmen Konservierungsarbeiten werden von Vertriebenen aus Ungarn, Schlesien und dem Sudetenland erledigt.

1948 - Schweine- und Rindfleisch wird in Gläsern und Dosen eingekocht. Als Lohn erhalten die Arbeiter Naturalien, die zum Tausch eingesetzt werden können. - Die Witwe Dr. Roemhelds, des Sanatoriumsleiters von Schloss Horneck, lässt eine Villa in der Roemheldstr. 32 bauen - auf Bezugsscheine.

1951 - Gundelsheim wird zur "Gurkenstadt". Ein offizieller Poststempel geht um die Welt. Betriebsleiter ist Otto Jahn.

1957 - Unter der fachkundigen 16-jährigen Führung von Hans Juncker begann eine betriebliche Neuausrichtung in Großmärkten. Herr Juncker hat auch den Export angeregt. Mit einem neuen Hallenbau hat er die 1. Gastarbeiter aus der Südspitze Italiens, der Stadt Reggio di Calabria, die zunächst im "Prinz Carl" wohnten, angeworben. Damit begann eine "Neuzeit" bei der SCG mit speziellen Gemüsesorten, Mixpickles oder mutigen Salatmischungen.

1958 - "Neue" Gemüse wie Paprika, Maiskölbchen, Pilze, Kapern und grüner Pfeffer ergänzen das Sortiment. - Die Bevölkerung der ganzen Stadt beteiligt sich in Heimarbeit am "Paprikaputzen" sowie Bohnen- und Zwiebelschälen. An den Ausgabestellen kommt es oft zu Konkurrenzkämpfen um mehr Rohware. Eine Zeitzeugin erinnert sich an eine Karawane von 105 Ziehwägen (Bericht von Else Kunz). - Die an das Grundstück der Familie Kühne angrenzende Strasse wird in Theresienstrasse umbenannt, in Dankbarkeit für die Wohltäterin der Stadt, Theresia Kühne.

1959 - Erfindung und Patentierung des berühmten "Gundelsheimer Glases", zunächst noch mit "atmendem Klippverschluss"

1962 - Gründung des Gundelsheimer Karnevalsvereins nach Mainzer Vorbild: Elferräte, Garden, Symbolfigur, Schlosssänger, Schlachtruf: Helau.

1963 - Kühne kauft nach Frau Roemhelds Tod die Villa in der Roemheldstrasse für die Direktoren der Konservenfabrik. 1964 - Inzwischen gibt es im Neckartal 26 Sauer- und Obstkonservenfabriken, in denen das "Grüne Gold" des Neckartals verarbeitet wird.

1965 - Nur die Marke Gundelsheim entwickelt sich zur Weltmarke. Der Export beginnt mit dem ersten Container mit Gurkengläsern, der nach New York verschifft wird. Später folgten Florida sowie Mexiko, Südafrika und Australien.

1966 - In der Hauptsaison sind bis zu 650 Menschen in der Gundelsheimer Conservenfabrik beschäftigt, es wird eng mit den Landwirten zusammengearbeitet.

1967 - Landwirt Herbert Martin wird Beauftragter für alle mit der Gurkenfabrik kooperierenden Landwirten und "beherrscht" so 90% der hiesigen, zu liefernden Rohware. Teilweise sorgt er bei über 1000 Kleinbauern für den zielgenauen Gemüseanbau zu Fabrikkonditionen. Er ist federführend verantwortlich für alle Saisongemüse. Tausende Tonnen von Kürbissen wachsen unter seiner Regie heran. Seiner Weitsicht ist es zu verdanken, dass sich die Landwirtschaft zur industriellen Produktion mit Maschinenanbau, wie z.B. der "Gurkenflieger", entwickelt. 1969 - Viele Gastarbeiter finden Arbeit und integrierten sich hier.

1970 - Die Qualitätsstandards in Gundelsheim sind die höchsten auf dem Markt, quasi der "Mercedes" unter den Sauerkonserven! Alles in Handarbeit! Dank neuer Rezepturen und stetiger Experimentierfreude entwickelt sich Gundelsheim zum Vorreiter für neue Salatmischungen und zur Ideenschmiede des Konzerns. Das Sortiment umfasst bis zu 300 verschiedene Produkte.       Die Marke "Gundelsheim" ist zum Vorbild in der Konservenindustrie geworden.

1973 - Der Betriebsleiter Hans Juncker geht in den Ruhestand.

1975 - Eine Revolution in der Verschlusstechnik, der "Twist-off-Deckel", ermöglicht der Hausfrau die Mehrfachverwendung des "Gundelsheimer Glases".

1976 - Eine eigene Betriebs-Fußballmannschaft feiert sportliche Erfolge.

1980 - Eine neue Technisierung setzt ein: Haltbarmachen der Gemüse auf Vorrat. In großen Polybags werden Fertiggerichte und Produkte für Großküchen gepackt. Die Billigproduktionen unter Preisdruck bahnt sich an.

1992 - Der damalige Direktor Klaus Bernhard erhält die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg von Wirtschaftsminister Weiser.

1999 - Erste Meldungen über eine Standortschließung, große Sorgen der Mitarbeiter.

2001 - Der Betrieb wird geschlossen. Die Marke Gundelsheim bleibt bestehen. Produktion und Export werden nach Schweinfurt verlagert. Exportchef Josef Dreiseitel erhält die baden-württembergische Staatsmedaille. So hat die Firma Kühne den Namen "Gundelsheim" in alle Welt hinausgetragen!

2004 - Die östliche Betriebshälfte wurde an einen großen Lebensmittel-Supermarkt verkauft. Ebenso entstand darauf das neue Wohngebiet "am Lohgraben".

2013 - Am 15. November schloss der Werksverkauf nun endgültig. Das restliche Fabrikgelände kaufte die Stadt Gundelsheim.

Damit endete die 93-jährige "Gundelsheimer Gurken-Ära".

 

Zusammengetragen von Leo Achtziger im Januar 2014.

 

 

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